8. Tag – Grundarfjörður → Vestfirðir

Heute stand wieder ein kleiner Ortswechsel an, wie gestern schon angekündigt. Also hieß es wieder einmal: alles zusammenpacken und in das immer voller werdende Auto stopfen. Da wir jetzt nur noch drei Nächte hier haben, müssen wir aber langsam mal anfangen, das Gepäck wieder zu reduzieren. Zumindest theoretisch. Praktisch ist das Auto inzwischen eher so eine rollende Tetris-Meisterschaft.

Gegen 10 Uhr ging es dann los in Richtung Fähre. In Stykkishólmur, dem Ablegeort der Fähre, sind wir vorher noch ein wenig umhergeschlendert und haben tatsächlich einen sehr kleinen, niedlichen Laden mit handgemachten Sachen entdeckt. Dort gab es unter anderem Pullis, gestrickt von einer Oma. Sehr schön, sehr Island, sehr gemütlich – aber wir haben wieder nicht zugeschlagen. Wir glauben einfach nicht, dass wir sie zu Hause wirklich tragen würden. Stattdessen gab es handgemachte Seife und ein wenig anderen Krimskrams. Auch wichtig. Man muss ja Erinnerungen kaufen, die ins Gepäck passen.

ℹ️ Stykkishólmur
Stykkishólmur liegt auf der Nordseite der Halbinsel Snæfellsnes am Breiðafjörður. Der Ort ist bekannt für seinen kleinen Hafen, die bunten Häuser und seine Rolle als wichtiger Fährhafen Richtung Westfjorde. Von hier startet die Autofähre Baldur nach Brjánslækur.

Bevor die Fähre abgelegt hat, haben wir noch den hiesigen Aussichtshügel bestiegen. Dieser lag praktischerweise direkt neben der Fähre und war somit auch zeitlich und konditionell gut machbar. Ein schönes kleines Fischerdorf ist das – mit Hafen, Meer, Wind und diesem typisch isländischen „Hier könnte man auch einfach mal stehen bleiben und gucken“-Gefühl.

ℹ️ Súgandisey
Súgandisey ist die kleine Erhebung direkt am Hafen von Stykkishólmur. Oben steht ein Leuchtturm, von dem man einen schönen Blick über den Breiðafjörður, den Hafen und die umliegenden Inseln hat. Der kurze Aufstieg ist deshalb ein idealer Mini-Stopp vor oder nach der Fährfahrt.

Die Fähre legte um 13 Uhr ab. Die Fish-&-Chips-Bude machte um 12 Uhr auf. Alles irgendwie nicht so richtig kaufmännisch durchdacht – warum macht die nicht einfach eine Stunde eher auf, wenn direkt danach eine Fähre voller hungriger Menschen ablegt? Egal, es hat trotzdem geklappt und ich habe noch einmal eine Portion Fish & Chips bei Hafnarvagninn Fish & Chips geholt. Schlappe 25 Euro für einmal Fish & Chips ist zwar happig, aber es war auch echt gut und ordentlich viel Fisch. Also am Ende dann doch irgendwie okay. Vor allem aber lecker.

ℹ️ Hafnarvagninn Fish & Chips
Hafnarvagninn ist ein kleiner Foodtruck am Hafen von Stykkishólmur und auf frische Fish & Chips spezialisiert. Durch die Lage direkt am Hafen eignet sich der Stopp besonders gut vor der Abfahrt mit der Fähre – sofern die Öffnungszeiten mit dem Hunger kooperieren.

Das Wetter spielte heute auch wieder mit und wir denken, dass die Entscheidung, die Fähre für rund 200 Euro zu nehmen, eine gute war. Es ist dann doch viel entspannter als wieder stundenlang Auto zu fahren. Außerdem sehen wir die Autostrecke sowieso auf dem Rückweg – also quasi eine logistische Optimierung mit Erholungsfaktor. Kann man machen.

ℹ️ Fähre Baldur
Die Autofähre Baldur verbindet Stykkishólmur auf der Halbinsel Snæfellsnes mit Brjánslækur in den südlichen Westfjorden. Die Route führt über den Breiðafjörður und je nach Fahrplan auch über die Insel Flatey. Für Reisende mit Auto verkürzt die Fähre die Strecke in die Westfjorde deutlich und bietet gleichzeitig eine entspannte Überfahrt mit Aussicht.

Auf der Fähre war übrigens irgendwie alles billiger als auf dem Festland. Kaffee für 400 Kronen – und dann auch noch mit Free Refill – sowie eine riesige Portion Pommes für 1.100 Kronen. Für Island fast schon verdächtig günstig. Man sitzt also auf einem Schiff, schaut auf Fjorde und Inseln, trinkt günstigen Kaffee und fragt sich kurz, ob man aus Versehen in ein Parallel-Island geraten ist.

So sind wir gemütlich durch die Fjorde gegondelt, haben gechillt und sind schließlich gut in den Westfjorden angekommen. Von dort war es dann auch nicht mehr weit bis zur Unterkunft: 15 Minuten Fahrt und zack, da waren wir.

ℹ️ Vestfirðir – die Westfjorde
Die Westfjorde gehören zu den abgelegeneren Regionen Islands und sind geprägt von tief eingeschnittenen Fjorden, steilen Berghängen, kleinen Siedlungen und langen Fahrstrecken durch beeindruckende Landschaften. Die Region ist weniger dicht besucht als viele klassische Island-Routen und gilt deshalb als besonders ursprünglich.

Die Unterkunft ist ähnlich wie die erste: sehr einfacher Standard, aber okay und gut gelegen. Direkt gegenüber gibt es eine heiße Quelle mit Schwimmbecken und kleinem Pool. Die haben wir dann natürlich direkt unsicher gemacht und dort ziemlich lange herumgeplanscht. Nach einer Fährfahrt, ein bisschen Autofahrt und dem üblichen Island-Wind war das genau die richtige Entscheidung.

ℹ️ Hellulaug
Hellulaug ist eine kleine geothermale Badestelle bei Vatnsfjörður in den südlichen Westfjorden. Der natürliche Hot Pot liegt nahe der Straße, ist aber von dort kaum direkt zu sehen. Das Wasser hat etwa 38 °C und der Blick geht hinaus über den Fjord – ziemlich nah an der isländischen Idealvorstellung von „einfach mal kurz entspannen“.

Abendessen gab es dann wieder in der Bude und morgen wollen wir die Gegend hier erkunden. Mal schauen, was die Westfjorde so können. Der erste Eindruck ist jedenfalls schon einmal sehr gut: weniger Trubel, viel Landschaft und ein Hot Pot direkt vor der Nase. Schlechter kann man einen Ortswechsel definitiv beenden.

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